Chronik des ESV LOK Neudietendorf 1948 e.V.

1. Vom Turnverein zur ersten Fußballkreismeisterschaft  

Das Anliegen dieser Chronik soll sein, das Sportgeschehen in Neudietendorf „nach dem 2. Weltkrieg speziell nach der Gründung der Sportgemeinschaft „Eintracht“ Neudietendorf nachzuvollziehen. Die Autoren haben versucht, durch das Studium der leider nur noch spärlich vorhandenen Unterlagen und durch Befragung von Zeitzeugen die Arbeit der Sportvereine und die sportlichen Höhepunkte in dieser Chronik aufzuzeigen.

Einleitend soll erwähnt werden, dass das organisierte Sporttreiben in Neudietendorf sich bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt. Bereits 1904 wurde der Turnverein Dietendorf-Neudietendorf gegründet. Zu dieser Zeit bestand Neudietendorf noch aus zwei selbständigen Orten, Dietendorf als der Ort rechtsseitig des Flüsschens Apfelstädt und Neudietendorf als der Ort linksseitig der Apfelstädt. Erst mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Jahre 1933 wurde das Nebeneinanderbestehen zweier Gemeinden beendet, indem durch Beschluss des Kreisamtes Gotha zum 01.07.1933 die beiden Gemeinden zu der Gemeinde Neudietendorf verschmolzen wurden.

In den Folgejahren nach der Gründung des Turnvereines entwickelte sich auch auf dem Gebiet des Sportes eine ungewöhnliche Aktivität, und es gab bemerkenswerte Erfolge, die mit dem 2. Weltkrieg ein jähes Ende fanden. So konnte die 1. Männermannschaft im Jahre 1938 erstmals Fußballkreismeister im Landkreis Gotha werden.

2. Der Neubeginn des Sportes in Neudietendorf nach dem 2. Weltkrieg  

Der Neuanfang nach 1945 erforderte große Anstrengungen, um das wirtschaftliche und kulturelle Leben wieder anzukurbeln. Zur Belebung der Kultur war der Sport ein nicht zu übersehender Faktor. Besonders der Sport hat mit dazu beigetragen, die vielen aus den Kriegsgebieten des Ostens nach Neudietendorf umgesiedelten Flüchtlinge in das kommunale Leben mit einzugliedern.

Wichtige Impulse für den Neubeginn eines regelmäßigen Sporttreibens hat wohl die bereits vor dem Krieg schon bestandene Faustballriege gegeben. Allmählich wurden aber die anderen Sportarten wie Handball, Fußball, Turnen und Tennis in kleinen Anfängen betrieben, die letztlich wieder zur Gründung eines Sportvereines führten.

Am 01.07.1948 wurde die Sportgemeinschaft (SG) „Eintracht“ Neudietendorf gegründet. Als Vorsitzender der SG „Eintracht“ Neudietendorf wurde der Sportfreund Gerhard Schneider - besser bekannt unter dem Pseudonym „Fips“ - gewählt, der diese Funktion bis zum Jahre 1954 ausführte. In dieser Zeit dominierten die Sportarten Handball und Fußball, in denen die SG „Eintracht“ leistungsstarke Mannschaften stellte, die alle im Kreis Gotha wettkampfmäßig am Spielbetrieb teilnahmen.

Herrenmannschaft Fußball 1950: A. Arnold, R. Tuch, H. Werner, W. Köhler, A. Konrad, R. Räß, G. Trübner, G. Werner, H. Mehlis, H. Sperling

In dieser Zeit konnten auch von den Fußballspielern Kontakte über die derzeitige Zonengrenze hinweg mit westdeutschen Sportvereinen geknüpft und sogenannte Interzonenspiele durchgeführt werden.

3. Die Gründung der BSG "Lokomotive" Neudietendorf  

Mit der Gründung der DDR im Jahr 1949 vollzogen sich in den Folgejahren neue gesellschaftliche und ideologische Verhältnisse.

Es erfolgte eine Hinwendung zu sozialistischen Eigentumsverhältnissen. Diesen Prozeß unterlagen auch die Betriebe in der DDR, indem genossenschaftliche und volkseigene Betrieb gebildet wurden. Diese Umbildung betraf auch den Sport. Die Sportgemeinschaften wurden den volkseigenen bzw. genossenschaftlichen Betrieben angeglichen, die dann zu Trägern der Sportgemeinschaften wurden.

Für den ländlichen Bereich waren vorwiegend die örtlichen Landwirtschafts Produktions-Genossenschaften (LPG) die neuen Trägerbetriebe der Sportgemeinschaften. Auch in Neudietendorf gab es Befürworter für die Umwandlung der SG „Eintracht“ in eine SG „Traktor“. Diese Namensänderung wurde zwar intern vollzogen, jedoch wegen Meinungsverschiedenheiten aus folgendem Grund nicht offiziell beantragt und vollzogen. Für Neudietendorf waren nicht die LPG sondern die ansässigen Reichsbahndienststellen - Oberbauwerk (Obw), Brückenmeisterei (Brm) und Bahnhof (Bf) - die wichtigsten Betriebe und Arbeitgeber.

Es lag also nahe, als Sportgemeinschaft sich diesen Betrieben anzugliedern, zumal die meisten Sportfreunde auch in diesen Betrieben arbeiteten. Der Anschluss an die Reichsbahndienststellen wurde am 01.10.1954 vollzogen und offiziell am 07.10.1954 in Umwandlung der SG „Eintracht“ in die Betriebssportgemeinschaft (BSG) „Lokomotive“ Neudietendorf vorgenommen. Den Vorsitz der BSG übernahm der Sportfreund Alfred Keucher, selbst ein Eisenbahner und Beschäftigter des Obw.

4. Der Vorstand der BSG "Lokomotive"  

Der Vorstand der BSG „Lokomotive“ Neudietendorf wurde in zwei bzw. drei Jahresabständen in Mitglieder- bzw. Delegiertenversammlungen öffentlich gewählt.

Der Vorstand umfasste im wesentlichen folgende Verantwortungsbereiche:
- BSG - Leiter (Vorsitzender)
- Stellvertretender BSG - Leiter (stellv. Vorsitzender)
- Verantwortlicher für die Sportarbeit – Technischer Leiter
- Verantwortlicher für den Nachwuchsbereich
- Verantwortlicher für Kultur/Organisation
- Hauptkassierer
- Schriftführer

Die einzelnen Sektionen Sportgruppen wählten einen Sektionsleiter, die zu den meist monatlichen Vorstandssitzungen entsprechend geladen wurden. Über die monatlichen Vorstandssitzungen wurden Protokolle gefertigt, die die Schwerpunkte der Sitzung, die Beschlüsse und Terminstellungen enthielten. Jedes Protokoll wurde in der folgenden Sitzung vom Schriftführer verlesen, wenn keine Einwände auftraten, genehmigt und die Beschlusskontrolle durchgeführt.

Die Arbeit des Vorstandes wurde von einer gewählten Revisionskommission der BSG bei Erteilung von Vorschlägen und Auflagen überprüft.

Die BSG finanzierte sich aus den Einahmen von Mitgliedsbeiträgen, wobei von den Beitragseinnahmen ca. 40 als so genannter Bundesbeitrag an die Kreisorganisation abgeführt werden musste, aus dem Verkauf von Sportspendenmarken sowie aus jährlichen Zuwendungen von den Trägerbetrieben und von der Kreisorganisation (DTSB-Kreisvorstand Erfurt-Land).

Die Zuwendungen von den Trägerbetrieben kamen aus dem Beitragsrücklauf der Gewerkschafts- (FDGB) Mitgliedsbeiträge. Mit diesen Mitteln konnte allerdings die Sportarbeit nicht vollends finanziert werden, so dass die Mitglieder noch weitere Eigenanteile z.B. für Fahrtkosten und Sportbekleidung tragen mussten.

5. Die Jubiläen der BSG "Lokomotive"  

Nach den Festlegungen der Deutschen Reichsbahn (DR), ihre Mitarbeiter für langjährige Tätigkeit in bestimmten Jahresabständen zu ehren, beging auch die BSG "Lokomotive" Neudietendorf würdevoll diese Jubiläen.

6. Der Übergang zum ESV "Lokomotive" Neudietendorf  

Mit dem Beitritt der DDR zur BRD traten auch auf dem Gebiet des Sports Umbruchprozesse ein. Die bisherigen Grundlagen für eine "Betriebssportgemeinschaft" waren nicht mehr gegeben. Ein Fortbestand der bisherigen BSG war daher nur als neuer gesellschaftlicher Verein möglich.

7. Der Vorstand der ESV "Lokomotive"  

In der Mitgliederversammlung am 20.01.1992 wurde ein neuer Vorstand gewählt, der nunmehr folgende Verantwortungsbereiche umfasst. und im Vereinsregister eingetragen ist:

8. Die Sportanlagen der Sportgemeinschaft "Lokomotive"  

Der erste Sportplatz in Dietendorf-Neudietendorf entstand auf dem heutigen Gelände der Freizeitanlage. Dieses Gelände war ein Teich, der bereits in den zwanziger Jahren verfüllt wurde. Dieser Sportplatz wurde bis zum Jahre 1976 für den Trainings- und Spielbetrieb der Faustball-, Handball- und Fußballspieler, aber auch leichtathletische Übungen genutzt.

9. Die Abteilung Fußball  

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges im Jahr 1945 kamen einige ehemalige Fußballspieler wieder nach Neudietendorf zurück. Schon nach kurzer Zeit der Wiedereinlebung in das zivile Nachkriegsleben fanden sie sich zusammen und suchten fußballbegeisterte Mitstreiter.

10. Die Abteilung Gymnastik

In der DDR wurde dem Freizeitsport eine große Bedeutung beigemessen, Es war Aufgabe der Sportgemeinschaften, dieses zentrale Anliegen zu fördern und die interessierten Bürger als Mitglied in der Sportgemeinschaft zu gewinnen.

11. Die Abteilung Wandern  

Im Sommer des jahres 1960 wurden durch die Leitung der BSG "Lokomotive" Neudietendorf öffentliche Bekanntmachungen herausgegeben, in denen Interessenten an einer möglichen Sektion Wandern und Bergsteigen aufgefordert wurden sich zu melden.